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Elektromagnetische Induktion Teil 2

In einem vorangegangen Artikel haben wir das Auftreten einer elektrischen Spannung bei geradlinigen Bewegungen von Leitern und Leiterschleifen im Zusammenspiel mit Magnetfeldern beobachten können.

In nachfolgendem Artikel betrachten wir nun die drehende Bewegung einer Leiterschleife im Magnetfeld und das Auftreten einer besonderen Induktionsspannung in Form einer Sinusschwingung.

Exemplarische Darstellung einer Sinuswelle

Exemplarische Darstellung einer Sinuswelle

Wiederholung und Einführung in das Thema

Um die nachfolgenden Ausführungen besser verstehen zu können, raten wir Dir den vorangegangen Artikel ( LINK) kurz zu wiederholen.

Hierin besonders wichtig ist der formale Zusammenhang: Uind=BAt wobei gilt BA

Unser besonderes Augenmerk liegt auf dem Quotienten At, welcher die Flächenänderung A einer Leiterschleife im Magnetfeld B innerhalb einer Zeitspanne t darstellt, unter dieser Voraussetzung erst eine Induktionsspannung Uind im Magnetischen Feld B auftreten kann!

1) Versuchsaufbau

In diesem Artikel soll ein in Abb. 1 aufgezeigter zentraler Versuchsaufbau gelten:

Hierin zu sehen ist eine Leiterschleife, welche um eine Drehachse drehbar gelagert sein möge. Die durch die Leiterschleife ausgebildete Fläche A wird stehts vollständig von dem Magnetischen Feld B durchströmt. Die abgebildete orange Leiterschleife sei hier um ca 45° gedreht.

Abb. 1 : Drehbar gelagerte Leiterschleife im Magnetischen Feld B

Abb. 1: Drehbar gelagerte Leiterschleife im Magnetischen Feld B

Mit Abb. 2 vergrößern wir den Bereich um die drehbare Leiterschleife und lenken unseren Fokus auf die durch die Leiterschleifen aufgespannten Flächen A, hierbei können wir zweierlei erkennen:

Abb. 2: Leiterschleife und Darstellung der wirksamen Fläche A'

Abb. 2: Leiterschleife und Darstellung der wirksamen Fläche A'

  1. Die nicht gedrehte blaue Leiterschleife wird (zum Zeitpunkt t0) senkrecht vom Magnetfeld B durchströmt. Nachdem hiermit gilt BA, geht auch deren aufgespannte Fläche A=ls vollständig in die Berechnung unserer Induktionspannung Uind ein.

  2. Die (zum Zeitpunkt t1 um 45°) gedrehte orange Leiterschleife wird nicht mehr senkrecht vom Magnetfeld B durchströmt. Durch senkrechte Projektion können wir allerdings jenen Längenanteil l ermitteln, für welchen wiederum BA gilt. Ersichtlich folgt daraus l<l. Bei gleichbleibender Länge s können wir nun berechnen: A=ls, die für die Ermittlung der Induktionsspannung Uind wirksame Fläche A. Es gilt damit A<A. Folglich wird die gedrehte orange Leiterschleife also eine kleinere Induktionsspannung hervorrufen!

2) Ermittlung der wirksamen Fläche per Winkelfunktion

Unter Zuhilfenahme der Trigonometrie (wörtlich Dreiecksvermessung) können Beziehungen zwischen Seiten und Winkel von Dreiecken untersucht werden. Insbesondere auch für rechtwinklige Dreiecke wurden sogenannte trigonometrische Funktionen, auch Winkelfunktionen genannt, aufgestellt (zur Wiederholungen siehe LINK).

In Abb. 2 können wir ein ebensolches grau markiertes rechtwinkliges Dreieck ausmachen.

Abb. 3: Die Kosinus-Winkelfunktion

Abb. 3: Die Kosinus-Winkelfunktion

MerkeDie induzierte Spannung einer gedrehten Leiterschleife im Magnetfeld

Uind=BAt=Bcos(φ)At

Allgemeingültig für B⟂̸A

3) Weiterführung des Versuches

Ausgehend von unserer bisher gezeigten Drehung von 45°, wollen wir nun in den nachfolgenden Abb. 4ff unsere Leiterschleife eine vollständige Drehung von 360°in 45°-Schritten vollziehen lassen.

Wir erkennen hierbei, dass die senkrechte Projektion der Leiterschleife nach unten eine sich verändernde Fläche ergibt. Jene der wirksamen Fläche A, welche wie eben gezeigt direkten Einfluß auf unsere Induktionsspannung hat.

Wie nun können wir hieraus einen vollständigen Kosinusverlauf konstruieren?

4) Konstruktion eines Kosinusverlaufes

Grundlegendes zum Verständnis

  • Der Vollwinkel eines Kreises beträgt 360°, dieser wiederum entspricht 2π rad (für Radiant). Ein Radiant ist ein Winkelmaß, bei welchem der Winkel (hier der Vollkreis) durch die Länge des Kreisbogens (auch Bogenmaß genannt) mit 2π angegeben wird. (π 3,14 für Pi)

  • Die Periodendauer für eine komplette Drehung (0...360°) ist als T definiert.

  • Die Winkelgeschwindigkeit ist definiert mit: ω=2πTund soll für unseren Versuch konstant sein. (ω für klein Omega).

Abb. 5: Konstruktion eines Kosinusverlaufes aus Drehung im Vollkreis

Abb. 5: Konstruktion eines Kosinusverlaufes aus Drehung im Vollkreis

5) Zusammenfassende Erkenntnis

Mit unserer o.g. abgeleiteten Formel . . .

Uind=BAt=Bcos(φ)At und B⟂̸A

. . . erkennen wir zusammenfassend folgendes:

  1. Durch Drehung einer Leiterschleife, trifft das Magnetische Feld B nicht mehr zwangsläufig senkrecht auf die konstante Fläche A (Ausnahme φ=0°=360° oder φ=180°).

  2. Für all jene Fälle muß die wirksame Fläche A (jener Flächenanteil für diesen gilt BA) unter Zuhilfenahme des cos(φ) berechnet werden.

  3. cos(φ) stellt demnach eine Art Korrekturfaktor dar, welcher zwischen 10+1 pendelt und die Fläche A hin zu Fläche A entsprechend korrigiert.

  4. Nachdem das Magnetische Feld B als auch die Fläche A konstant sind, beeinflußt der Drehwinkel φ und damit auch cos(φ) zentral und ausschließlich die Induktionsspannung Uind.

Merke

Im vorliegenden Versuch der Drehung einer Leiterschleife im Magnetischen Feld B entsteht eine Induktionsspannung Uind nur dadurch, sich die Fläche A aufgrund der Drehung in ihrer Wirkung permanent ändert. Dies ausgedrückt durch deren wirksame Fläche A:

A=cos(φ)A und damit ebenso der Faktor At

6) Ergebnis

Vielfache volle Umdrehungen einer Leiterschleife im Magnetfeld führen durch Aneinanderreihung der durch die cos-Funktion erzeugten Induktionsspannung zu einem in Summe sinusförmigen Verlauf (siehe Abb. 6).

Abb. 6 : Sinusförmige Induktionsspannung

Abb. 6: Sinusförmige Induktionsspannung

Dies wiederum ist in der praktischen Anwendung die technische Basis für jeden Generator, z.B. dem Dynamo deines Fahrrades. Hierzu später noch mehr.

Quellen

    • https://pixabay.com
    • Bilder in Eigenkonstruktion

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